Vom Lesen und Lesen lassen

Bücher sind wie gutes Essen. Wir verschlingen Sie, genießen jede einzelne Seite, können nicht genug bekommen und am besten liest es sich bei einem guten Glas Wein.

Bücher sind aber auch wie gute Freunde. Sie teilen ihre Geschichte mit uns, lassen uns an ihrem Leid und ihrer Freude teilhaben. Sie können uns unterhalten und uns trösten. Wenn wir sie brauchen, sind sie für uns da und doch fordern sie selbst nie etwas von uns ein. Außer vielleicht einem trockenen Dach über den Seiten. Wir fühlen mit den Figuren in einem Buch, haben Teil an ihrem Leben, durchlaufen ihre Geschichte, werden ihre Freunde oder auch ihre Feinde. Gute Bücher reifen und altern mit ihrem Leser. Auch sie erleben unsere Geschichte mit uns, sie durchleben mit uns unseren Alltag, begleiten uns auf Reisen, schlafen in der Nacht neben uns, ziehen mit uns um und bleiben immer an unserer Seite. Sie teilen unseren Frust und unsere Trauer, unsere Freude und unseren Ärger. Sie sind geduldig und nehmen beim Lesen unsere Geschichte und unsere Gedanken in sich auf. Unsere Lieblingsbücher werden mit der Zeit zu unseren ganz persönlichen Begleitern und engen Freunden.

Was also sollen wir tun, wenn uns jemand fragt, ob wir genau jene Lieblingsbücher verleihen? Können und wollen wir diese Freunde teilen? Können wir unsere Wegbegleiter bedenkenlos in die Obhut anderer geben? Unsere ganz persönliche Geschichte, die wir mit dem Buch erlebt haben, mit anderen teilen? Schließlich geben wir mit jedem Buch, das uns begleitet und geprägt hat, einen Teil unserer geheimsten Gedanken weiter. Wir öffnen uns dem neuen Leser, machen uns verwundbar und geben ein Stück unserer ganz persönlichen Geschichte preis. Verleihen wir Bücher, so ist dies, als würden wir unsere Freunde verleihen. Schon Theodor Fontane sagte „Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück.“ Die Weitergabe unserer Lieblingsbücher gleicht also einem Freundschaftsbeweis, ist eine Frage des Vertrauens und von Respekt.

Wenn ihr genauso denkt, schaut euch einmal in eurem Freundeskreis um. Wem würdet ihr eure liebsten Bücher leihen? Und wer leiht euch die seinen?